12.12.2011: Ausgebaute Strecken und schnellere Züge – aber weiterhin auch einige Lücken bei der Bahn

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Bei einer ganzen Reihe von Bahn-Themen haben der neue Fahrplan und ein Bürgerentscheid in Lindau am Sonntag Neuigkeiten gebracht: 

Fertigstellung Augsburg–München 

Ein knappes halbes Jahr, nachdem die Ausbaustrecke zwischen München und Augsburg durchgehend viergleisig befahren werden kann, ist der Betrieb für Fernzüge nunmehr für 230 km/h freigegeben worden. Mit zwei parallel fahrenden ICEs und einem Begrüßungs-Feuerwerk in Augsburg feierte die Bahn am Samstag (10.12.2011) nach 13 Jahren Bauzeit und 700 Millionen Euro an Investitionen die Eröffnung. Die bisherigen „Baustellenzuschläge“ entfallen aus dem Fahrplan; die schnellsten ICs und ICEs zwischen München und Augsburg brauchen nun 26 Minuten. 

Auf den vier Gleisen werde „der Verkehr künftig deutlich entzerrt, da der Fernverkehr vom Nah- und Güterverkehr getrennt wird. Damit können wir pünktlicher und zuverlässiger sowie schneller fahren“, sagte DB-Chef Rüdiger Grube bei der Feier in Augsburg. Der Ausbau sei auch aus Sicht des Güterverkehrs wichtig – und dafür, dass „der ICE nicht mehr durch Güterzüge oder Regionalbahnen ausgebremst wird“. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer erklärte, er wolle, „dass die Mobilitätsbedürfnisse der Wirtschaft und der Unternehmen nachhaltig gewährleistet werden“. Der Güterverkehr dürfe nicht als Bedrohung für die Gesellschaft betrachtet werden, sondern „als Chance für unsere Prosperität“. 

Grube und Ramsauer verwiesen auf die Bedeutung des Ausbaus als Teil auch der transeuropäischen Magistrale Paris–Wien–Budapest und auf das anstehende Projekt Stuttgart–Ulm. Beide äußerten sich aber nicht konkret zu einem Ausbau zwischen Ulm und Augsburg. Ramsauer sagte: „Zwischen Augsburg und Stuttgart liegen gewaltige Herausforderungen wie zum Beispiel die Schwäbische Alb.“ Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil mahnte an: „Jetzt, wo in Stuttgart gebaut wird, darf auch beim Ausbau von Augsburg nach Westen nicht mehr getrödelt werden“. Er forderte, das „dritte Gleis“ müsse im nächsten Bundesverkehrswegeplan – voraussichtlich 2015 – festgeschrieben werden.

Bürger wollen „Kombilösung“ für Lindauer Bahnhof 

Mit 61 Prozent hat am Sonntag (11.12.2011) die Lindauer Bevölkerung die vom Freistaat vorgeschlagene „Kombilösung“ in der Debatte um den künftigen Bahnhof angenommen. Demnach soll der Hauptbahnhof für den Regionalverkehr auf der Insel im Bodensee bleiben und in Lindau-Reutin eine kleine Station für den Fernverkehr errichtet werden, weil die Eurocity-Züge München–Zürich nach Fertigstellung der Elektrifizierung (2017) den Kopfbahnhof auf der Insel nicht mehr anfahren werden. Die IHK-Regionalversammlung hatte sich für eine Komplett-Verlagerung des Bahnhofs aufs Festland nach Reutin ausgesprochen, unter anderem, weil so die Verknüpfung von Fern- und Regionalverkehr einfacher werde und Flächen für die städtebauliche Weiterentwicklung der Altstadt-Insel frei werden würden. Die CSU, die einen Hauptbahnhof in Reutin und zusätzlich eine einseitige Insel-Anbindung von Reutin aus will, hielt sich in einer ersten Reaktion einen Bürgerentscheid hierzu im März offen.

Neigetechnik im Allgäu

Die Strecke Buchloe–Kempten–Lindau wird seit Sonntag (11.12.2011) von den Regionalexpress-Zügen der Deutschen Bahn mit Neigetechnik befahren. Die Züge sind damit bis zu 160 km/h schnell. Die Fahrzeit von Augsburg nach Kempten liegt nun erstmals unter einer Stunde; von Augsburg nach Lindau verkürzt sie sich um rund eine halbe Stunde auf knapp über zwei Stunden. Damit ist nun in der Regel die Fahrt von München oder Augsburg zum Bodensee auf der längeren Strecke über Kempten schneller als auf der direkten Strecke über Memmingen. Dies wird sich 2017 mit der Elektrifizierung und dem Einbau der Neigetechnik auch auf der Memminger Strecke wieder ändern. 

Nach früheren Plänen sollte die Neigetechnik bereits 1999 starten – wegen technischer Probleme mit den Fahrzeugen und später wegen Zweifeln grundsätzlicher Art am Neigetechnik-System und einer am Schluss vorgezogenen „Grundsanierung“ der betreffenden Strecken im Allgäu hat sich der Termin immer wieder verzögert.

Bessere Anschlüsse aus dem Allgäu in Augsburg und Ulm 

Die verkürzten Fahrzeiten durch die Neigetechnik und die daraus resultierenden Verschiebungen im Fahrplan führen dazu, dass die Regionalexpress-Züge aus dem Allgäu nun in Ulm und in Augsburg wesentlich bessere Anschlüsse an die ICEs Richtung Westen und Norden haben. Vor allem Ulm fallen Wartezeiten von oftmals 50 Minuten beim Umsteigen weg. Allerdings mussten dort dafür die Anschlüsse der Regionalbahn-Züge, die die Zwischenstationen von Memmingen bis Ulm bedienen, an die Fernzüge Richtung Stuttgart / Frankfurt / Köln aufgegeben werden. Für Reisende aus den betroffenen Orten ist dies eine erhebliche Verschlechterung. Die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm wertete die Tatsache, dass sich ein an Kundenbedürfnissen orientierter Fahrplan auf der eingleisigen Strecke nicht mehr konstruieren lasse, als weiteren Beleg für den dringend notwendigen Ausbau der Illertal-Strecke. 

Lücken in den ICE-Nordverbindungen bleiben

Von Augsburg aus werden auch im Fahrplan für 2012 etliche vor allem für Pendler und Geschäftsreisende schmerzhafte Lücken in der Anbindung nach Norden nicht beseitigt. So wird es zwischen 5.31 Uhr und 7.44 Uhr weiterhin keine schnelle Verbindung nach Nürnberg geben. Dies betrifft Pendler nach Donauwörth, Nürnberg und Erlangen ebenso wie Geschäfts- und Tagesreisende, die auf Frühverbindungen angewiesen sind.

In einem Spitzengespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn AG und des Freistaats Bayern hatten IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton und Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl auch auf die im Jahr 2012 beginnende Verlagerung von rund 600 Arbeitsplätzen der EADS-Entwicklungsabteilung von Ottobrunn bei München zu Eurocopter nach Donauwörth hingewiesen: „Da gibt es ein wachsendes Potenzial, an dem man nicht einfach vorbeifahren kann“. Auch andere vor einem Jahr gerissene Lücken wurden nicht geschlossen, z.B. spätabends von Nürnberg nach Augsburg. Allerdings gibt es einige zusätzliche Stopps in Donauwörth. 

Die Bahn argumentiert, zusätzliche Zuggarnituren für die Fahrt über Augsburg stünden nicht zur Verfügung. Der Freistaat, der den Regionalverkehr organisiert und in Auftrag gibt, will aus grundsätzlichen Erwägungen keine Regionalexpress-Züge („Allgäu-Franken-Express“) anstelle von ICEs einsetzen, die auf die Neubaustrecke über Ingolstadt verlagert wurden. „Wir bedauern, dass es an entscheidenden Punkten für den Wirtschaftsraum Augsburg / Donauwörth keinen Fortschritt gibt“, betonten Kopton und Gribl.

Neuer Anbieter auf der Donautalbahn

Der Regionalverkehr auf der Donautalbahn Ulm–Donauwörth–Ingolstadt–Regensburg wird seit Sonntag (11.12.2011) von Agilis betrieben, einem Tochterunternehmen der Hamburger Hochbahn AG. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG, die im Auftrag des Freistaats den Nahverkehr organisiert, hat mit der Ausschreibung auch das Zugangebot erheblich erweitert. Auch wurden „Expresszüge“ zwischen Ulm und Regensburg, wie es sie vor einem Jahrzehnt schon einmal gegeben hatte, wieder eingeführt. Sie brauchen für die 200 Kilometer nur zweieinhalb Stunden und sind damit um eine Stunde schneller. Mit Blick auf die Bedürfnisse des Schülerverkehrs hat die IHK sich bei der BEG dem Wunsch des Landkreises Dillingen angeschlossen, einen Frühzug Donauwörth–Günzburg–Ulm in seiner bisherigen Lage zu belassen. Die zunächst geplante Vorverlegung des Zuges um 20 Minuten ist kurzfristig zurückgenommen worden.

Ansprechpartner bei der IHK Schwaben:

Peter Stöferle
Geschäftsfeld Standortpolitik
Tel.: 0821/3162-206, email:
peter.stoeferle@schwaben.ihk.de

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