09.02.2011: Logistik braucht gut ausgebildete Spezialisten – Studie der Hochschule Augsburg
Der Fachkräftemangel wird in der Logistik-Branche in den nächsten Jahren zum „kritischen Erfolgsfaktor“. Dieses Resumée zog Prof. Dr. Michael Krupp anlässlich der Vorstellung einer Studie zum regionalen Personal- und Bildungsbedarf in der Logistik, die von einer studentischen Projektgruppe der Fakultät für Wirtschaft an der Hochschule Augsburg erstellt worden ist. Allerdings identifizierte er neben dem branchenspezifischen und demographie-abhängigen kritischen Erfolgsfaktor auch noch einen weiteren, speziell regionalen: den immer noch offenen Ausbau des Güterverkehrszentrums Augsburg mit einem Container-Terminal (KV-Terminal).
Insgesamt 18 leitende Logistiker aus Unternehmen der verladenden Wirtschaft und von Logistikdienstleistern im Wirtschaftsraum A³ (Ausgburg Stadt, Landkreis Augsburg und Landkreis Aichach-Friedberg) waren von den Studierenden am Kompetenzfeld Materialwirtschaft und Logistik der Fakultät für Wirtschaft um Prof. Dr. Michael Krupp und Prof. Dr. Peter Richard zwischen Oktober und Dezember 2010 interviewt worden. Die Ergebnisse wurden nun präsentiert und mit Vertretern von Verbänden, aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert. Ziel sei es auch, die Ergebnisse zu nutzen, um das eigene Bildungsangebot weiter zu entwickeln, teilte die Hochschule in einer Presseerklärung mit. Die Zusammensetzung der Stichprobe lasse nicht auf alle Logistiker in Augsburg schließen, dennoch gebe sie tiefe Einblicke in die Situation der Logistik in der Region.
Einige Trend-Aussagen aus der Studie, deren Detailergebnisse von Christian Endraß und Fabio Sindona erläutert worden waren:
· Die mittleren „Suchzeiten“ der Unternehmen nach akademischen Arbeitskräften liegen bei 9,5 bis 9,9 Wochen. 60 Prozent der Befragten erwarten eine Verlängerung dieser Zeiten um vier bis sechs Wochen.
· Drei Viertel der Unternehmen erwarten einen steigenden Personalbedarf insbesondere im mittleren, „taktischen“ Management. Gefragt sind dort besonders Fachkräfte mit praxisbezogener Ausbildung. Diese Anforderung erfüllen insbesondere klassische Ausbildungsberufe mit entsprechender Weiterbildung. Aber auch Hochschulabsolventen mit einschlägigen Praktika oder Berufserfahrung haben gute Karten.
· Logistik-Dienstleister haben eher Probleme, ihren Personalbedarf zu decken als Verlader.
· Unternehmen, die selbst Logistiker ausbilden, sind eher in der Lage, Stellen intern zu besetzen. Die „interne Bedarfsdeckung“ gelingt bei den befragten Firmen im Großraum Augsburg zu etwa 60 Prozent. Vorteil: Die Mitarbeiter haben bereits unternehmensspezifisches Know-how. 80 Prozent decken den Personalbedarf mit akademischem Nachwuchs aus der Region – eine Perspektive für Studierende, nach dem Abschluss im Großraum eine Anstellung zu finden.
· Neben klassisch ausgebildeten Kräften (bei fast allen Befragten) sind in den Unternehmen Hochschul-Absolventen (zu mehr als drei Viertel) wegen ihrer praxisorientierten Ausbildung sehr gefragt. Als „zentrale Profileigenschaften“ seien praktische Erfahrung und Prozessdenken sehr gesucht.
· Frauen bildeten nach Aussage der befragten Logistiker rund 50 Prozent der Teams in den Unternehmen; von den 18 interviewten Führungskräften war aber nur eine weiblich.
Aufgrund der Globalisierung hat die Logistik in den vergangenen Dekaden einen rasanten Bedeutungszuwachs erlebt. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den befragten Unternehmen wider. Insbesondere in der produzierenden Wirtschaft wurden in den vergangenen Jahren eigenständige Logistikabteilungen aufgebaut. Dort arbeiten hochspezialisierte Experten, die logistische Abläufe steuern und verantworten. Diese jungen Abteilungen sind oftmals aus Produktionsabteilungen heraus entstanden. Mittlerweile verstärken sie sich mit externem Logistik Know-how oder bilden eigene Mitarbeiter gezielt in Richtung Logistik weiter.
Als wesentliche Ergebnisse fasste Prof. Krupp zusammen:
- Die bedeutendsten Trends in der Logistik sind Globalisierung, Outsourcing und technologische Entwicklungen.
- Die Personal- und Fachkräftebedarfe können heute gedeckt werden.
- Die Suchzeit nach geeigneten Fachkräften wird in Zukunft steigen.
- Ein steigender Frauenanteil wird im mittleren Management erwartet.
Zum Erfolg der Logistik in Augsburg will auch die Hochschule Augsburg beitragen, heißt es in einer Pressemitteilung. In den vergangenen Jahren wurde an der Fakultät für Wirtschaft der Schwerpunkt Logistik aufgebaut. Die Professur für Organisation und Logistik wurde durch eine weitere Professur für Logistik und Supply Chain Management ergänzt. Daraus hat sich an der Hochschule für angewandte Wissenschaften ein Kompetenzfeld für Materialwirtschaft und Logistik entwickelt. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Bildung eng mit der Praxis zu koppeln. Dies geschieht in Projektseminaren, in denen praktische Fragestellungen von Unternehmen in Teamarbeit erarbeitet und gelöst werden. Das Spektrum der Inhalte reicht dabei von Lean Management und Prozesskostenrechnung bis zur Markt- und Umfeldforschung.
Quellen: IHK Schwaben, Hochschule Augsburg

